Sonntag, 22. Januar 2017

[Rezi] Echo Boy von Matt Haig

Buchinfos:

ISBN: 978-3-423-71712-0
Seiten: 400
Format: Taschenbuch
Verlag: Dtv
Übersetzer: Violeta Topalova
ab 14 Jahren
Erscheinungsdatum: 9. Dezember 2016
Preis: 11,95 € (D) Kaufen

*** Leseprobe***

Klappentext:
Der erste Jugendroman von Matt Haig.
»Vor zwei Wochen wurden meine Eltern getötet. Seitdem hat sich alles verändert. Absolut alles. Das Einzige, was immer noch wahr ist: Ich bin immer noch ich. Ein Mensch namens Audrey Castle.«
Audrey lebt in einer Welt, die von moderner Technik bestimmt wird und in der künstliche Menschen, die sogenannten »Echos« , darauf programmiert sind, jeden Befehl ihres Besitzers auszuführen. Eines Tages passiert das Unfassbare: Ein scheinbar defekter Echo tötet Audreys Eltern. Mit knapper Not kann sie entkommen und findet Unterschlupf bei ihrem Onkel. Dort trifft sie auf Daniel.
Daniel ist ein Echo – und er fühlt sich zu Audrey hingezogen, etwas, das eigentlich nicht sein kann. Doch er will sie beschützen. Denn Audrey schwebt noch immer in Lebensgefahr...
Quelle

 

Auf den ersten Jugendroman von Matt Haig war ich gespannt, letzten Frühling habe ich "Ziemlich Gute Gründe am Leben zu bleiben" von ihm gelesen, ein sehr persönliches Buch. Auch in Echo Boy bringt der Autor wieder viel von sich ein. 

Der Punkt, an dem eine Maschine weinen will, ist der Punkt, 
an dem sie nicht länger als Maschine zu betrachten ist.
Seite 366

Das Cover finde ich richtig schön. Der riesige Mond und das Pärchen davor, beide mehr Schatten wie Mensch. Dazu das Universum im Hintergrund. Und der farblich passende Schriftzug. Alles sehr schön und auch zum Inhalt passend.


Die Geschichte spielt im Jahre 2115, also gar nicht so arg in der Zukunft. Wenn man sich den Zeitlichen unterschied, der nur knappen 100 Jahre ist, beim Lesen vor Augen führt, ist die Geschichte noch erschreckender. Die Technologie ist weit vorangeschritten, genauso wie der Klimawandel. Viele Teile Europas sind unbewohnbar. Dafür gibt es praktische Hilfen für den Alltag, nämlich Echos ( Elektronischer Computerisierter Humanoider Organismus). Sie können nicht eigenständig Denken und nicht fühlen. Doch warum greift dann ein Echo einfach Audreys Familie an. Und wieso ist Daniel ein Echo im Haus ihres Onkel so anders, warum sucht er ihren Kontakt....

Den Schreibstil von Matt Haig mag ich sehr. Er ist äußerst flüssig zu lesen, bietet aber viel zum Nachdenken und reflektieren. Der Roman wird aus der Ich-Perspektive erzählt, mein Lieblingserzähltstil. Unterteilt ist er in größere Abschnitte, in denen wir entweder aus der Sicht von Audrey oder aus der von Daniel lesen. Letztere waren mir die lieberen. Es wird nicht geradlinig erzählt, sondern bei der Vergangenheit begonnen, bis die Geschichte sich sozusagen einholt und dann in der Gegenwart verläuft.


Es ist besser, das Leben zu leben, anstatt wie ein Schlafwandler durch den Tag zu stolpern. 
Es ist besser, sich zu erinnern, als zu vergessen. 
Es ist besser, Gefühle zu haben, als betäubt zu sein. 
Lieber ein trauriger Dichter als ein leereres Blatt Papier.
Seite 159


Audrey erlebt zu Beginn etwas Traumatisierendes und ist erst mal aus der Bahn geworfen. Außerdem ist sie mit ihren knapp 16 Jahren noch sehr jung. Dies spiegelt sich auch in ihrem Charakter wieder, weswegen ich die Kapitel aus Sicht von Daniel mehr genossen habe. Audrey entwickelt sich aber weiter und kann aus ihrer Starre ausbrechen. Trotzdem fand ich den Echo Daniel viel interessanter. Wieso kann er fühlen und selbstständig Denken?  Was ist er?

Die Handlung ist leider leicht zu durchschauen. Aber vielleicht war dies auch Absicht, dass der Leser eigentlich schon weiß, wer sich wohinter verbirgt. Damit er auf die Zwischentöne achten kann. Die Aufmerksamkeit nicht auf die Frage "Wer war es" verschwendet, sondern sie in die Richtung "Was macht Mensch sein aus" lenkt. Den müsst ich in einem Satz sagen, um was es in Echo Boy geht, würde ich sagen, um das Mensch sein und was es ausmacht, mit all seinen Facetten. 


 
Leider vorhersehbar, aber vielleicht war dies Absicht, damit man auf die Zwischentöne achtet.
"Was macht Mensch sein aus"
Tiefsinnig, berührend und regt zum Nachdenken an.
Matt Haig hat einen sehr schönen Sprachstil. 



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Kommentare:

  1. Hallo Tanja,
    eine klasse Rezension. Du hast meine Begeisterung für den Autor gleich wieder geweckt. Ich habe damals "Ich und die Menschen" von ihm gelesen. Ich erkenne da einige Parallen. Hast du das Buch schon gelesen? Wirst du es lesen?

    Ich denke die wenigen Jahre, die Matt Haig für seine Zukunftsvision gewählt hat, sind gar nicht so unrealistisch, zumindest was den Klimawandel angeht, oder?

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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    1. Hallo Tanja,
      Dankeschön :-) In Ich und die Menschen habe ich nur mal rein gehört, konnte mich dann aber nicht richtig auf das Hörbuch konzentrieren. Aber die parallelen habe ich auch gesehen :-)

      Genau und ich finde, dies macht es noch erschreckender. Wenn er nun 2500 gewählt hätte, könnte man denken. Ach, ist ja noch hin. Aber so ist es eigentlich nicht weit, besonders, wenn man bedenkt, dass die Probleme im Buch ja schon 2070 da waren ......

      Ganz Liebe Grüße

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