Samstag, 4. Februar 2017

[Rezi] Dschihad Calling von Christian Linker

Buchinfos:

ISBN: 978-3-423-71723-6
Seiten: 320
Format: Taschenbuch
Verlag: Dtv
ab 14 Jahren
Erscheinungsdatum: 9. Dezember 2016
Preis: 8,95 € (D) Kaufen

*** Leseprobe***


Klappentext:
Der 18-jährige Jakob greift ein, als ein Mädchen mit Gesichtsschleier von rechten Hooligans belästigt wird – und verliebt sich in die blauen Augen der Unbekannten. Auf einem Pressebild erkennt er sie später wieder: Samira ist Mitglied eines Salafisten-Vereins. Trotzdem versucht Jakob Kontakt aufzunehmen und gerät so an Samiras Bruder Adil, der mit den Gotteskriegern des Islamischen Staates sympathisiert. Obwohl für Jakob zunächst undenkbar, fühlt er sich doch angezogen vom Gedankengut und der Lebensgemeinschaft der Salafisten. Dagegen stoßen ihn die Kälte und Konsumorientiertheit seiner eigenen Umgebung immer mehr ab. Jakob radikalisiert sich, bricht alle alten Kontakte ab und konvertiert. Aber will er wirklich mit Adil nach Syrien ziehen?
Quelle

 

Bei dem Roman von Christian Linker, hat mich vor allem die Thematik angesprochen. Junge Menschen die zum Islam überdrehten, sich radikalisieren und daraufhin in den Krieg ziehen. Was dies anging wurde ich nicht Enttäuscht, der Leser bekommt einen guten Einblick in diesen Kreislauf, bis zur Endstation.

Der Titel ist einprägend und passend. Sowie das Cover, welches ich zwar nicht sehr schön finde. Aber die Farbwahl, sowie die Rauchwolke passen sehr gut. Alles in allem ist es stimmig.

Zum Inhalt. Jakob ist eigentlich ganz normal. Er hat sein Abi gemacht und studiert nun. Ist mit seiner Freundin zusammen gezogen, wenn auch eher unfreiwillig. Hat so einige Freunde in seiner Heimat, lernt aber auch schnell neue Menschen kennen. Seine Familie ist nicht perfekt, aber ein familiäres Verhältnis ist durchaus vorhanden. Doch dann begegnet er diesen blauen Augen, mehr sieht er nicht vom Gesicht, da es von einem Schleicher verdeckt ist. Und diese Augen lassen ihn nicht mehr los. Er will das Mädchen unbedingt kennenlernen und stößt so auf eine Gruppe von Salafisten und so nimmt die Geschichte ihren lauf.

Mit dem Schreibstil von Christian Linker hatte ich zu erst Probleme. Gerade zu Beginn des Buches schreibt er sehr im Jugendslang. Diesen mochte ich schon nicht, als ich selbst noch zu den Jugendlichen zählte. Aber im Verlauf legte es sich. Er erzählt die Geschichte aus der Ich-Perpektive von Jakob. Aber auch in Form von Tagebucheinträgen aus der Sicht von Adil. Diese zwei Handlungsstränge verlaufen aber nicht parallel. Wir begingen kurz mit Jakob in der Gegenwart, wechseln dann aber mit ihm in die Vergangenheit, wie alles angefangenen hat. Die Tagebucheinträge von Adil kommen immer mal wieder vor und von der Chronologie her starten sie eigentlich erst gegen Ende vom Buch. Dies klingt nun etwas verirrend, ist aber ein schönes Stilmittel, welches die Spannung ankurbelt. Der Autor bringt immer wieder "Fachbegriffe" ein, wodurch es authentischer wirkt, am Ende findet man dazu ein Glossar.

Jakob ist unser Hauptcharakter und für mich nicht gerade ein Sympathie Träger. Bis zu einem Gewissen Grad habe ich ihn noch verstanden, doch als er zu radikal wurde, konnte ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Seinen Charakter zu beschreiben ist schwer, da er eine sehr große Wandlung durchmacht. Diese ist aber sehr nachvollziehbar ( in seinem Universum) und anschaulich beschrieben. Weder mit Jakob, noch Samira, das Mädchen mit den blauen Augen, noch Adil, sein / ihr Bruder wurde ich richtig warm. Dies ist bei so einem Buch natürlich kein Muss. Aber deswegen kann ich nicht die volle Punktzahl geben. 

Die Geschichte ist authentisch und spannend erzählt. Ich konnte das Handeln der Protagonisten gut Nachvollziehen, da es für sie das einzig Logische war. Eine erschreckende Logik. Gegen Ende wurde es richtig spannend, wobei man eigentlich schon weiß, was passieren wird. Trotzdem habe ich die Seiten verschlungen. Einige Szenen waren brutal und schwirren mir immer noch im Kopf herum. Den hier kann man sich nur schwerlich einreden, ist ja nur erfunden. Die Geschichte bietet viele Denkanstoße und der Autor zeigt dem Leser auch die andere Seite, dass Islam nicht gleich Terror heißen muss. Diesen Ansatz fand ich sehr wichtig für die Geschichte. 



 
Aktuelle Thematik, anschaulich erzählt.
Bis zu einem Gewissen Grad Nachvollziehbar, dann nur noch erschreckend.
Wer sich für das Thema interessiert, dem kann ich das Buch nur empfehlen.


Kommentare:

  1. Hallo Tanja,
    auf die Rezension zu diesem Buch war ich sehr gespannt. Jugendbücher mit solch einer schwierigen Thematik lese ich sehr gerne.
    Vor einiger Zeit habe ich Djihad Paradise gelesen. Ich fand es interessant und erschreckend zugleich einen Blick auf das Thema Terrorismus zu werfen.
    Schade finde ich, dass die Radikalisierung für dich zum Ende hin nicht mehr so greifbar war. Ich weiß nicht, wie man dieses Stadium so beschreiben kann, dass der Leser sich hineinfühlen kann, ich würde mir aber wünschen, dass man sich an dieser Stelle nicht von der Thematik distanziert sondern sie begreift.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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    1. Liebe Tanja,
      ich hoffe du hast dich nicht gewundert, warum ich dir erst jetzt antworte. Die Rezi ging leider zu früh online, deswegen hab ich sie wieder raus genommen :/

      Gegen Ende hin wurde es einfach zu extrem. Ich kann nicht verstehen, wie ein Mensch ernsthaft, glauben kann, sein Leben sei mehr Wert ( hier auf Grund seiner Religion) als ein anderes. Und das dies ihm das Recht, ja die Pflicht verleiht, die anderen Leben auszulöschen, da sie in seinen Augen das Leben eh nicht verdient haben. Muss aber dazu sagen, dass ich nicht glaube, dass mir das ein Autor je wirklich begreiflich machen kann.

      Ganz Liebe Grüße

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    2. Hm... ich habe vor kurzem mal ein Autoreninterview via Podcast verfolgt. Da ging es um eine Frau, die in diesen Krisenländern aufgewachsen ist. Sie ist sehr mutig gewesen und hatte so gut wie keine Angst. Der Moderator meinte, dass er beim Lesen sehr skeptisch war und sich gefragt hat, ob dieses Verhalten wohl so realistisch dargestellt wurde. Daraufhin musste die Autorin schmunzeln.
      Sie sagte, dass diese Menschen so viel schreckliches Tag für Tag erleben, dass der Tod für sie nur eine Erlösung darstellen kann. Wir Deutschen kennen diese Sorgen und Nöte nicht. Wir haben etwas wofür es sich zu leben lohnt.

      Vielleicht kann man diesen Mangel an Angst und diese Situation auch ein wenig auf dein Buch übertragen? Sicherlich kommt da auch noch die Gehirnwäsche hinzu und die Tatsache, dass diese Menschen fanatisch ihrem Glauben folgen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass die Leichtigkeit, mit denen sie einen Mord begehen vielleicht auch mit den obengenannten Umständen zu tun haben könnte (?) Ich weiß es nicht :o) Wie denkst du darüber?

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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    3. Hallo Tanja,
      ein interessanter Denkanstoß. Der für mich, bei Menschen aus Krisengebieten und welchen, die dort eine Zeit lang waren auch "funktioniert". Ich habe auch schon ähnlich argumentiert, als es um das verhalten von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten ging. Da ich denke, man muss auch immer den Kontext betrachten, nicht nur den Menschen, der da vor einen steht, sondern auch das hinten dran.

      Aber, in dieser Geschichte hier ging es um die Radikalisierung von deutschen Jugendlichen, die zumeist keinen Bezug zum Islam hatten. Speziell um Jakob, der sein Abi gemacht hat, eine Freundin und Freunde hatte. Also soziale Kontakte hatte und auch eine Bildung genossen hat. Nur seine Eltern haben sich scheiden lassen und dies nicht mal sehr " schmutzig". Ich denke der Autor wollte genau so einen Charakter nehmen, um aufzuzeigen, dass da nicht unbedingt was schlimmes passiert sein muss um dann so in einer fanatischen Organisation unter zu gehen.

      Eine sehr interessante Unterhaltung :-)
      Ganz liebe Grüße

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    4. Hallo Tanja,
      ich habe später noch über meinen Kommentar nachgedacht und bin dann auch zu dem Schluss gekommen, dass diese Ansicht wohl nicht zutrifft, weil es sich ja um einen deutschen Protagonisten handelt. Denkfehler ;o)

      Ich kann verstehen, dass es dir schwerfällt nachzuvollziehen, wie jemand, der eigentlich gar keine so schlimmen Lebenserfahrungen gemacht hat, sich so extrem verändern kann und zu solchen Taten fähig ist.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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